Die Geschichte der Pfarre St. Anna - Baumgarten

Bereits im Mittelalter wird ein Kirchlein erwähnt.
Bereits im Mittelalter wird ein Kirchlein erwähnt.

Die älteste Erwähnung eines Kirchleins in Baumgarten findet sich in einer Grundbucheintragung von 1495, wo von einem „Haus nächst der Kapelle“ die Rede ist. Das alte St.-Anna-Kirchlein hatte noch einen hölzernen Glockenturm, der erst 1860 durch den gemauerten Kirchturm, wie wir ihn von Bildern her kennen, ersetzt wurde. Das Foto lässt neben dem Eingang eine Nische erkennen, in der sich der „Höritzer-Epitaph“ - eine gotische Darstellung der „Heiligen Anna Selbdritt“ - befand. Dies dürfte zu der Überlieferung Anlass gegeben haben, der genannte Pankraz Höritzer könnte der Stifter dieser Kirche gewesen sein. Dieser Stein befindet sich nunmehr an der Innenwand des westlichen Seitenschiffs unserer heutigen Kirche.


Der sogenannte "Höritzer-Epitaph"
Der sogenannte "Höritzer-Epitaph"

Aus dem Jahre 1881 ist eine Chronik-Eintragung erhalten, die einen anschaulichen Einblick in die damaligen Verhältnisse vermittelt:

Chronik-Eintrag aus dem 19. Jahrhundert
Chronik-Eintrag aus dem 19. Jahrhundert

„In den ältesten Zeiten wurde von der Mutterkirche Penzing ein Priester hierher geschickt, der auf Kosten der Gemeinde wöchentlich zweimal das Hl. Messopfer verrichten musste. Für die Erhaltung der Kirche selbst sorgte eine eigene Zeche (Bruderschaft), die den Ertrag von zwei Weingärten dazu verwendete. Im Jahre 1529 brannten die Türken den Ort und die Kirche nieder. Letztere war noch im Jahre 1544 ohne Dach. [...] Ein großer Teil der Bewohner von Penzing, Breitensee und Hernals hing bereits der neuen [lutherischen] Lehre an und [ein] Prediger [erschien] in Baumgarten, um auch die hiesige Gemeinde zum Übertritt zu bewegen [...]. Kein Wunder also, dass noch im Jahre 1562 die Kirche in elendem Zustande [...] und die 3 Altäre nicht konsekriert waren. Auch wurde nur 10mal im Jahr hier Gottesdienst gehalten. Erst im Jahre 1566 konnte ein Weltpriester namens Johann Butschan die Gemeinde bewegen, das Fest der Hl. Anna neuerdings feierlich zu begehen und mit 50 Gulden, die sie gesammelt hatte, auf diesen Tag eine jährliche Messe zu stiften, die aber schon 1679 durch die Pest und 1683 durch den neuerlichen Überfall der Türken unterbrochen wurde und später ganz in Vergessenheit geriet!“

Die neue 500-Seelen-Gemeinde Baumgarten wird gegründet.
Die neue 500-Seelen-Gemeinde Baumgarten wird gegründet.


1713 bricht die Pest neuerlich aus. Baumgarten bestand damals aus 44 Häusern, in welchen nur vier Todesfälle zu beklagen waren. Aus Dankbarkeit gelobten die Baumgartner, jedes Jahr zur Gnadenmutter von Mariabrunn zu pilgern – ein Gelöbnis, welches bis heute erfüllt wird. Im Zuge der vielfältigen Reformen Kaiser Josephs II. (1741-1790) kommt es auch zu gravierenden Veränderungen im kirchlichen Bereich. Neben der Neueinteilung der Diözesen werden etwa 640 Pfarren neu gegründet. Eine davon ist Baumgarten, eine 500-Seelen-Gemeinde.

1784 wird die Lostrennung Baumgartens von der bisherigen Mutterpfarre Penzing vollzogen. Genau genommen ist Baumgarten für die nächsten 100 Jahre nur eine „Lokalkaplanei“.

Am 23. Dezember 1784 hat mit Anton Müller der erste Lokalkaplan sein Amt angetreten und seit damals liegen Pfarrgedenkbuch (Chronik), Geburts-, Heirats- und Sterbebücher in der Pfarrkanzlei auf.

Mit der Einrichtung der Lokalkaplanei Baumgarten war auch ein eigener Friedhof notwendig geworden, der sich etwa Ecke Hütteldorfer-/Seckendorfstraße befand.

Einer der letzten Baumgartner, die zuvor noch am Penzinger Friedhof ihre letzte Ruhestätte fanden, soll nicht unerwähnt bleiben. Es war Jakob Kellner, der am 15. Juni 1785 verstarb und dem unsere Pfarre das bis heute erhaltene Zügenglöcklein verdankt. Zwei weitere Glocken hat Baumgarten 1787 aus der Kartause Mauerbach dazubekommen. Diese war das erste Kloster, welches von den josephinischen Klosteraufhebungen betroffen war.

Der seit 1791 in Baumgarten wirkende Lokalkaplan Ulrich Wieser durchlebte die schweren Jahre der napoleonischen Besetzung Wiens. 1810 resignierte er und auch sein Nachfolger Joseph Kefer hatte vor allem mit finanziellen Sorgen und mit den desolaten Wohnverhältnissen im Pfarrhof zu kämpfen. Die vormals Pfarrhofgasse genannte Kefergasse ist übigens nach ihm benannt. Er ist nicht der letzte, dem ständige Sorgen und der abgewohnte Pfarrhof die Gesundheit untergraben.

Die 1848er-Revolution bringt für Baumgarten die Selbstständigkeit. 1851 wird erstmals ein Bürgermeister gewählt. Die Namen der Baumgartner Bürgermeister bis zur Eingemeindung in die Stadt Wien 1891 sind in einigen Straßennamen überliefert: Josef Brustmann (1851 – 1864), Karl Gulden (1865 – 1876), Dominik Zehetner (1877 – 1880), Johann v. Pachmann (1881 – 1884), Eduard Sauermann (1884 – 1891).

Die Eröffnung der Westbahn 1858 - mit einer eigenen Haltestelle „Baumgarten“ zwischen der Guldengasse und der Kefergasse - und die beginnende Industrialisierung bringen ein sprunghaftes Ansteigen der Bevölkerungsdichte und eine Veränderung der Bevölkerungsstruktur. 1874 errichten die Gemeinden Fünfhaus, Sechshaus und Rudolfsheim mit Baumgarten den heutigen Baumgartner Friedhof. Aber auch die kleine St.-Anna-Kirche kann die Gläubigen nicht mehr unter ihrem Dach vereinigen. Um 1870 hatte Baumgarten 1.150 Einwohner. Nach der Eingemeindung waren es im Jahre 1893 bereits 4.000 und nur 5 Jahre später hatte sich die Einwohnerzahl auf 8.000 verdoppelt! Der Bau einer größeren Kirche wird immer dringender!

Am 12. November 1898 wurde die Gründung eines Kirchenbauvereines beschlossen, welcher die erforderlichen Voraussetzungen für einen Kirchenneubau schaffen sollte. Unter Pfarrer Stephan Rosenberger wurde bereits am 1. Dezember desselben Jahres - es war der Vorabend des 50-jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Franz Josef I. - die Festversammlung zur Gründung des „Kaiser-Jubiläums-Kirchenbauvereines St. Anna“ abgehalten.

Wichtigste Aufgabe war natürlich die Beschaffung eines ausreichend großen und in der Ortsmitte gelegenen Grundstückes und der finanziellen Mittel. Der Baugrund, unmittelbar neben der alten Kirche, wurde von Herrn Raimund von Götz, vormals Vizebürgermeister von Baumgarten (er war der Großvater des Erbauers unserer 1977 geweihten neuen Orgel!), und von Anna Zehetner und deren Kindern gespendet. Marmortafeln beim Eingang unserer Kirche bewahren die dankbare Erinnerung an jene Spender und viele andere Förderer dieses Vorhabens.

Trotz der Spendenfreudigkeit der Baumgartner musste man recht bald erkennen, dass ein Kirchenneubau aus privaten Spenden alleine nicht zu realisieren sei. Es musste außerdem noch an einen neuen Pfarrhof gedacht werden. Wie schon erwähnt, war der Pfarrhof in der Kefergasse derart desolat, sodass Pfarrer Rosenberger im Herbst des Jahres 1899 in eine Privatwohnung in der Linzer Straße übersiedeln musste. Seine letzte Ruhestätte hat dieser so verdienstvolle Priester auf dem Baumgartner Friedhof unweit des Friedhofskreuzes gefunden.

Am 1. September 1901 wurde als Nachfolger Carl Eder als Pfarrer von Baumgarten installiert. Noch unter seinem Vorgänger konnte das Grundstück des alten Pfarrhofes an die Gemeinde Wien verkauft werden und mit dem Erlös die Kosten für den Bauplatz eines neuen Pfarrhofes gedeckt werden. Auch Pfarrer Carl Eder musste sich einige Jahre mit einer Privatwohnung behelfen und auch die Pfarrkanzlei war provisorisch in einem Privathaus untergebracht. Gegen Jahresende 1903 konnte er schließlich vom K.-k. Ministerium für Kultus und Unterricht die Finanzierung für den Neubau eines Pfarrhofes erreichen, sodass er endlich im Oktober 1904 das neue Pfarrhaus in der Pachmanngasse 10 beziehen konnte.

Für den Kirchenneubau hatte man bis 1905 an die 19.000 Kronen aus privaten Spenden zur Verfügung, 350.000 bis 400.000 Kronen waren aber veranschlagt. Eine wesentliche Verbesserung der Situation trat ein, als Stadtrat Ludwig Zatzka für den Kirchenbauverein gewonnen werden konnte. Er war Referent für Kirchenbauangelegenheiten im Wiener Gemeinderat und konnte Bürgermeister Karl Lueger dazu bewegen, das Ehrenpräsidium des Baumgartner Kirchenbauvereines zu übernehmen. Herr Zatzka entstammte einer alteingesessenen Baumeisterfamilie in Breitensee und war selbst als Erbauer der neuen Breitenseer Pfarrkirche hervorgetreten. Mit seiner Hilfe konnte von der Gemeinde Wien die Zusage erwirkt werden, „jenen Betrag, welcher sich [...] beim Neubau der Pfarrkirche St. Josef ob der Laimgrube [in der heutigen Windmühlgasse] in Ersparung bringt, mindestens jedoch 100.000 Kronen zum Zwecke der Erbauung der neuen Pfarrkirche in Baumgarten zur Verfügung zu stellen“.

Der Entwurf von Architekt Franz Biberhofer
Der Entwurf von Architekt Franz Biberhofer



Nun kam auch der „Wiener Allgemeine Kirchenbauverein“ zu Hilfe. Unter dem Präsidium des Kardinal Fürsterzbischofs Anton Josef Gruscha (s. Gruschaplatz als Standort der heutigen St.-Anna-Kirche) sicherte dieser weitere 100.000 Kronen zu. In der Sitzung des Kirchenbauvereines vom 5. Februar 1906 wurde von Stadtrat Zatzka der Architekt Franz Biberhofer präsentiert, der bereits mit der Planung der Kirche befasst war. Als Anforderung an diesen neuen, großen Kirchenneubau war zu berücksichtigen, dass für die Soldaten der Landwehrkaserne – der Altbau des heutigen Geriatriezentrums Baumgarten – vor dem Altar ein entsprechend großer Raum für die Teilnahme am Gottesdienst vorzusehen sei. Dies ist auch der Grund, warum die Kirchenbänke erst bei den hinteren Vierungspfeilern beginnen. Als mit dem II. Vatikanischen Konzil die Volksaltäre eingerichtet wurden, wird es wenige Kirchen gegeben haben, in denen so reichlich Platz dafür zur Verfügung stand! Aber auch eines der Kirchenfenster mit der Darstellung des Hl. Mauritius erinnert daran, dass unsere Kirche auch Garnisons-Kirche war!

Der Kirchenbau beginnt.
Der Kirchenbau beginnt.



Unerwartet starb Architekt Biberhofer vor Beginn der Bauarbeiten. Mit der Weiterführung des Projektes wurde nunmehr Architekt M. Otto Kuntschik betraut. Dieser erklärte jedoch, nur ein eigenes, in allen Einzelheiten vollständig neues Projekt ausführen zu wollen.


Sein 4. Entwurf mit den markanten Zwillingstürmen wurde dann bei der Bauverhandlung im Juni 1906 genehmigt. Am 10. März 1907 erfolgte der offizielle „Erste Spatenstich“ und am 31. Mai die feierliche Grundsteinlegung. Hierzu sei die Festschrift anlässlich der Kirchweihe zitiert: „Der ganze Bezirk, ja die ganze Stadt nahm daran teil. Die angrenzenden Straßen wallten in Flaggenzier, der Festplatz selbst war künstlerisch geschmückt [...]. Als der Kaiser erschien, scholl lauter Jubel. Ihm folgten die Erzherzöge Franz Ferdinand, Leopold Salvator, Franz Salvator, Friedrich und Rainer, die Minister, der Statthalter, der Bürgermeister etc. Die Grundsteinlegung erfolgte nach den kirchlichen Vorschriften. Se. Exzellenz Herr Weihbischof Godfried Marschall weihte den Mörtel und tat die ersten drei Hammerschläge; nach ihm der Kaiser [...]. In den Grundstein legte man eine Urkunde, die das Wichtigste über den Bau sagt, und je eine der gegenwärtig gebräuchlichen Gold-, Silber-, Nickel- und Bronzemünzen. [...].“

Noch heute feiern wir jährlich am 24. November das Kirchweihfest von St. Anna.
Noch heute feiern wir jährlich am 24. November das Kirchweihfest von St. Anna.







Während des Rohbaus musste sich der Kirchenbauverein nunmehr der Inneneinrichtung zuwenden. Eine Kirche benötigt Glocken, eine Orgel, Kirchenbänke, Beichtstühle, einen Kreuzweg, wenn möglich künstlerisch gestaltete Fenster, die Einrichtung für die Sakristei und vor allem einen würdigen Hochaltar, um nur die (finanziell) größten Posten zu nennen. Am 12. April 1908 konnten die vom Schlossermeister Josef Hampel gespendeten Turmkreuze und am 9. Mai 1908 vier von der Familie Moßbacher gespendete Glocken geweiht werden. Am 24. November 1908 erlebten die Baumgartner die feierliche Weihe unserer Pfarrkirche.

Sechs Märtyrerreliquien und ein Steinchen vom Felsen, wo sich nach der Überlieferung das Haus des Hl. Joachim und der Hl. Anna im Heiligen Land befunden hatte, wurden im Hochaltar eingeschlossen. Wieder ist es Weihbischof G. Marschall, der die Zeremonien leitet und die erste heilige Messe im neuen Gotteshaus zelebriert. In einer Seelenmesse am darauffolgenden Tag wird all jener Wohltäter gedacht, die innerhalb des Jahrzehnts, in welchem dieses Vorhaben ins Werk gesetzt wurde, verstorben sind. Recht bald wurde das alte St.-Anna-Kirchlein abgerissen und nur das Hochaltarbild (heute neben dem östlichen Seiteneingang) und der o. g. Höritzer-Epitaph sind bis heute erhalten geblieben.

Der 1. Weltkrieg (1914 bis 1918) und der Zerfall der Monarchie bringen für die Menschen tiefgreifende Veränderungen in allen Lebensbereichen. 86 Baumgartner sind aus dem Krieg nicht mehr heimgekehrt. Auch die Kirchenglocken mussten 1916 dem Krieg geopfert werden und erst 1926 konnten wieder neue Glocken geweiht werden. Folgt man der Pfarrchronik, so war unsere Kirche bereits 1925, also nach 17 Jahren, in einem derart schlechten Zustand - Planungsfehler aber vor allem schlechtes Baumaterial waren die Ursache -, dass eine umfassende und kostenintensive Sanierung erforderlich war, um eine Sperre des Gotteshauses abzuwenden.

Im August 1927 erliegt Pfarrer Carl Eder nach mehr als einem Vierteljahrhundert aufopfernder Tätigkeit in Baumgarten einer Lungenentzündung und findet am Baumgartner Friedhof in der Nähe des Friedhofskreuzes seine letzte Ruhestätte.

Am 1. April 1928 übernimmt Rudolf Questel die Leitung der Pfarre Baumgarten. Am 26. November 1933 konnten die Baumgartner noch das 25-jährige Weihejubiläum ihrer Kirche mit Kardinal Erzbischof Theodor Innitzer feierlich begehen, doch dann folgte das Jahr 1934 mit Bürgerkrieg und Putschversuch der NSDAP.

1937 war es endlich gelungen, zwei Räume in der Linzer Straße 254 anzumieten und als Pfarrheim einzurichten, was sich sofort positiv auf das Pfarrleben ausgewirkt hatte. Nur zehn Monate später musste das Pfarrheim mitsamt der Einrichtung der NSDAP überlassen werden.


Durch den Anschluss schnellte die Anzahl der Kirchenaustritte rasant in die Höhe: in Baumgarten waren es 501 von April bis Ende 1938, im folgenden Jahr 1.213. Durch die Einführung der standesamtlichen Heirat gingen die kirchlichen Eheschließungen in Baumgarten von 96 in der ersten Jahreshälfte auf 5 in der zweiten Jahreshälfte zurück.

Kirchliche Veranstaltungen und Seelsorgetätigkeiten wurden fast zur Gänze auf den Kirchenraum und den privaten Bereich beschränkt. Schon 1939 entschloss man sich, die Auferstehungsprozession auf eine Runde um die Kirche zu reduzieren. Später wurden Prozessionen außerhalb des Kirchenraumes durch die NSDAP ganz verboten. Auch die Einführung der neuen Kirchensteuer sollte einen vernichtenden Schlag gegen die katholische Kirche bringen. Diese Rechnung der Nationalsozialisten sollte allerdings nicht aufgehen: Die Beiträge wurden größtenteils treu eingezahlt. So auch in Baumgarten. Die Pfarrchronik berichtet, dass bei einer „Jugendweihestunde“ des Dekanats beachtliche 300 Jugendliche unsere Kirche füllten. In Baumgarten wurde die Jugend seit 1939 von Kaplan Johann Amon betreut, dessen Aufgabe es war, die Jugendarbeit neu zu organisieren. Das Hitler-Regime untersagte allerdings außerhalb des Kirchenraumes jegliche Kinder- und Jugendarbeit.

1941 war für die Pfarre Baumgarten ein schwarzes Jahr. Der Pfarrer, die Kapläne und auch die Schwestern des damals im Pfarrgebiet gelegenen Karmelitinnenklosters waren mehreren Anschlägen ausgesetzt. Die Pfarrchronik berichtet von eingeschlagenen Fenstern, Blausäure in der Kirche sowie Schmierereien an der Kirchenwand: „Der Pfaff lügt‘ ,Gift‘ ,Gift‘ ,Gift“. Auch wurden sämtliche Schlösser in der Kirche zugegipst. Im Karmelitinnenkloster in der Linzer Straße 216 (auf dem heutigen Gelände von Klimtpark, Klimtheim sowie der Wohnhausanlage Hütteldorfer Str. 257c) wurde der Kopf einer Marienstatue zertrümmert.

Im Dezember 1941 wurden im Auftrage der „Reichsstelle für Metalle“ die vier Glocken der Pfarrkirche abmontiert, nur die kleine Sterbeglocke verblieb. Auch die Glocken aus dem Karmelitinnenkloster und der Steinhofkirche mussten daran glauben.

Trotz NS-Diktatur hielten die Mädchen Baumgartens ihren Ausflug ab.
Trotz NS-Diktatur hielten die Mädchen Baumgartens ihren Ausflug ab.

Die Pfarrchronik berichtet uns aus dem Jahr 1942: „Am Sonntag, dem 11. Oktober hielten die erwachsenen Mädchen einen Einkehrtag in der Pfarrkirche zu Wolfsgraben. Nach einem Spaziergang und einem geselligen Beisammensein im Pfarrheim erfolgte um ¼7h abends die Rückkehr zur Bahn nach Unter Tullnerbach. Ankunft auf dem Bahnsteig Baumgarten 8h abends.“

Diese Eintragung ist bemerkenswert, da bei kirchlichen Jugendveranstaltungen aller Art sämtliche „nichtkonfessionelle Betätigungen wie Fahrten, Sportveranstaltungen, Filmvorführungen, Spiele, Reigen, Tänze, Singstunden usw.“ von den staatlichen Behörden untersagt waren. Ganz offenbar waren die „erwachsenen Mädchen“ Baumgartens so mutig, sich nicht an dieses Verbot zu halten.

In den letzten beiden Kriegsjahren wurde die Pfarrchronik wie ein Kriegstagebuch geführt:

Jeder einzelne Fliegeralarm, Luftangriff und Gebäudeschaden wurde vermerkt. Im Jahre 1944 kam es zu 57 Fliegeralarmen.

In der Pfarrchronik findet sich auch ein berührender Bericht, wie die Baumgartner die Luftangriffe in der Krypta erlebten: „Beim Fliegeralarm ist die Krypta bis aufs letzte Plätzchen besetzt, obwohl sie kein öffentlicher Luftschutzraum ist (80-100 Personen). Das herzkranke Fräulein Maria Ploch wird aus ihrer Wohnung (Baumgartenstraße 39) jedes Mal auf einer Tragbahre von ihren opferfreudigen Schwestern in die Krypta gebracht und in dem an die Krypta anschließenden Raume auf ein Luftschutz-Notbett gelegt. Das Sanktissimum wird aus dem Tabernakel in die Sakristei getragen und in der Wandnische über dem ,Lavabo‘ geborgen (Nottabernakel). Das Verhalten der „Luftschutzkeller“-Gäste ist ein durchaus würdiges. Die einen beten still den Rosenkranz, andere wieder (Frauen und Mädchen) beschäftigen sich mit Handarbeiten, die Dritten, die Mutigeren, halten vor der Krypta Umschau nach den ,Fliegern‘ und eilen erst, wenn die Flak schießt und die Bomben fallen, hinab. Bei Vorentwarnung kehren die meisten heim, nur die Ängstlichen bleiben bis zur vollen Entwarnung.“


Als in den Vormittagsstunden des 7. April 1945 russisches Militär in Baumgarten einzog, begannen für unsere Heimatpfarre die letzten dramatischen Tage des Zweiten Weltkrieges. Die Chronik-Einträge rund um das Kriegsende sprechen für sich: „Donnerstag, der 5. April. Ein furchtbar ernst bewegter Tag. Seit frühem Morgen dröhnen die schweren Geschütze. Abends, nach dem Segen wurde das Sanktissimum in den Pfarrhof übertragen und im Arbeitszimmer auf dem Schreibtisch untergebracht. Das russische Militär soll bereits Purkersdorf erreicht haben. Deus nos adjuvet! Samstag, den 7. April. 8.30 Einmarsch der russischen Militärs. Panzer. Die Nacht im Luftschutzkeller verbracht. Sonntag, den 8. April hl. Messe um 7h im Arbeitszimmer des Pfarrhauses. Jede Verbindung mit den Nachbarbezirken unterbunden. Kein Licht, kein Gas, kein Telefon. Nur noch Wasser. Die Bahnviadukte und Brücken überall gesprengt. Aus einzelnen Häusern wurde hinausgeschossen. Der Widerstand bald gebrochen. [...] Die Pfarrkirche hat keinen Schaden erlitten ...“

Als am 8. Mai 1945 der Krieg zu Ende ging, hielt Pfarrer Dr. Questel einen Dankgottesdienst in St. Anna. Dem Wunsch des Kardinal Fürsterzbischofs von Wien, Theodor Innitzer, dass von 12 bis 12.25 Uhr alle Glocken der Kirchen Wiens zu läuten wären, konnte man in Baumgarten lediglich mit dem Läuten des kleinen „Zügenglöckerls“ nachkommen. Alle anderen Glocken waren ja im Krieg konfisziert worden.

Anlässlich des Kriegsendes 1945 wurde ein Dankgottesdienst gefeiert.
Anlässlich des Kriegsendes 1945 wurde ein Dankgottesdienst gefeiert.

Da die baulichen Einrichtungen der Pfarre nicht kriegsbeschädigt worden waren, konnte man rasch an den Wiederaufbau des Pfarrlebens gehen. Zuvor jedoch suchte Pfarrer Questel Ende Juli 1945 um seine Versetzung in den Ruhestand an. Er verließ nach 17 Jahren seine Pfarre ohne auch nur ein einziges Wort des Abschieds gesprochen und ohne irgendjemandem Bescheid gegeben zu haben. Diese Vorgangsweise wurde lange unter den Baumgartnern diskutiert, es handelte sich wohl um den Versuch Questels, kein Aufsehen um seine Person — gerade in einer so schwierigen Zeit — zu machen.

So folgte am 10. Februar 1946 mit Johannes März ein neuer Pfarrherr nach. Zu allererst machte dieser die räumlichen Einschränkungen der Kriegszeit rückgängig. So wurde z. B. die Marienkapelle, die seit 1939 als Pfarrbücherei genutzt worden war, wieder ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt.

Und hier begann bereits die Lebensaufgabe und das Lebenswerk des Pfarrers Johannes März Gestalt anzunehmen: die Erhaltung und Erneuerung der Pfarrkirche. Auch in seelsorgerischer Hinsicht begann Johannes März seine Aufgabe mit großem Elan. Eine besucherfreundliche Reform der Messzeiten brachte einen starken Anstieg der regelmäßigen Messbesucher.

Doch auch in der Informationsverbreitung ging der Pfarrer neue Wege. Der von ihm eingeführte „Baumgartner Pfarrkalender“ stellte das erste regelmäßig erscheinende Medium dar, mit dessen Hilfe der Pfarrer mit seiner Gemeinde kommunizieren konnte.


Ein großes und dringendes Bauvorhaben war die Beschaffung neuer Glocken für die Pfarrkirche. In vielen für Baumgarten beispiellosen Sammelaktionen, die dem Pfarrer einen bleibenden Ruf als wohl bester Geldauftreiber in der Baumgartner Pfarrgeschichte einbrachten, gelang es bis zum Sommer 1948 so viel Geld und Metallspenden aufzutreiben, dass die Pfarre am 12. Oktober 1948 zur Weihe der drei kleineren Glocken schreiten konnte.

Die neue Glocke wird geweiht.
Die neue Glocke wird geweiht.



Kardinal Innitzer selbst weihte die Marien-, die Anna- und die Franziskusglocke. Nach weiteren eindringlichen Spendenaufrufen konnte auch die Läutelektrik installiert werden, sodass die Glocken erstmals am Heiligen Abend desselben Jahres geläutet werden konnten. Die Anschaffung der 1.125 kg schweren Christusglocke dauerte etwas länger, aber Pfarrer März verfolgte auch dieses Ziel mit größter Energie, sodass am 12. Oktober 1958, exakt zehn Jahre nach der Weihe der ersten neuen Glocken, nunmehr auch die Christusglocke geweiht werden konnte.

Gleichzeitig verfolgte März intensiv den Plan der Beschaffung eines neuen Pfarrheimes. Als 1951 die französische Besatzungsmacht das Heim der Christlichen Kinderfreunde in der Felbigergasse räumte und der Stiftungsbetrieb in der alten Form nicht wieder aufgenommen werden konnte, sah März die Gelegenheit zur Etablierung eines neuen Pfarrheimes gekommen. Durch die Junktimierung mit der Weiterführung eines Kindergartens und nach einer Einigung mit den Franzosen konnte die Pfarre in der Folge das Haus in der Felbigergasse 96 am 31. Dezember 1953 zur pfarrlichen Nutzung übernehmen.

1948 mussten die Kirchtürme neu eingedeckt werden, da man 1908 beim Bau der Pfarrkirche anstelle der nötigen Kupfernägel nur solche aus Eisen verwendet hatte, die nun weggerostet waren. Sodann musste der Pfarrer an die komplett neue Deckung der Turmdächer schreiten. Glücklicherweise gelang es März, die dafür nötige erhebliche Geldsumme von der Erzdiözese aufzutreiben.


Nur fünf Jahre später kam es zum nächsten massiven baulichen Problem, das in der Folge den gesamten Bestand der Pfarrkirche gefährdete. Nach einem mächtigen Sturm am 30. Jänner 1953 wurden zahlreiche Dachziegel weggerissen, sodass der Sturmwind in die Türme eindrang und die Zwillingstürme ins Schwanken brachte. Die Zeitungen berichteten vom „atmenden Kirchturm von Baumgarten“. Bei der Reparatur stellte man fest, dass die Konstruktion in keiner Weise mit den Bauplänen übereinstimmte. So musste Pfarrer März auch noch für die gesamte Neuvermessung und Planzeichnung Sorge tragen, ehe man an die Reparatur gehen konnte. In diesem Zusammenhang tauchten auch Vorschläge des erzbischöflichen Bauamtes auf, die auf eine teilweise Abtragung der Türme bis auf ein Drittel ihrer gegenwärtigen Höhe bzw. eine kuppelartige Zusammenfassung der Türme abzielten. Beides wäre wohl optisch wie architektonisch eine Katastrophe gewesen und konnte von den Baumgartnern unter der zielstrebigen Leitung ihres streitbaren Pfarrherrn verhindert werden. Die Turmreparatur mündete letztlich in eine Gesamtrenovierung der Außenfassade, die sich bis zum Jahr 1967 hinzog.

Neben diesen dringend nötigen Instandhaltungsarbeiten gestaltete es sich für den Pfarrer sehr schwierig und schleppend, sein eigentliches Anliegen umzusetzen – die Neugestaltung des Innenraumes der Kirche.

Die Veränderung der gesamten Apsis zog sich schließlich mehrere Jahre hin und gab dem Gotteshaus ein gänzlich neues Gesicht. März ließ z. B. zwei Fenster rechts und links im Hochaltar von zwei Marmortafeln mit Reliefs betender Engel verschließen. Herzstück der Umgestaltung war die Wiederherstellung des Corpus des Altarkruzifixes in seiner ursprünglichen, unbemalten Weise. Die künstlerisch wertvolle Arbeit eines Südtiroler Holzschnitzers war nämlich im Laufe der Zwanziger und Dreißiger Jahre erst gold-, dann bronzefarben bemalt worden.

Bereits 1949 hatte März die Marienkapelle, die er als „ausgesprochenes Kitschkabinett“ bezeichnet hatte, buchstäblich „leergeräumt“ und ihr ein schlichteres Gesicht verliehen. 1951 folgte sodann der Umbau der Dolorosakapelle und später der ehemaligen Taufkapelle links in der Vorhalle.

In den Sechzigerjahren kamen noch die vollständige Neuausmalung des Innenraumes, die Restaurierung des Apsisgemäldes, die komplette Erneuerung der Stromleitungen sowie der erste Versuch eines Heizungseinbaus dazu. Das Kälteproblem der Pfarrkirche konnte aber auch Pfarrer März nicht befriedigend lösen.

Als letzte große Änderung im Innenraum ließ Pfarrer März 1963 im Bereich der Vierung vor dem Hochaltar einen Volksaltar errichten und die Kommuniongitter entfernen. Für den Volksaltar war ja mehr als ausreichend Platz vorhanden, erinnern wir uns an die „Stehplätze“ für die früher in Baumgarten stationierten Soldaten des k. u. k. Landwehrregiments.


All diese Veränderungen kosteten viel Geld, das der Pfarrer in unzähligen Spendenaufrufen auftrieb. Dieser Umstand und der Widerstand vieler Baumgartner gegen das neue Aussehen des Innenraumes ließen in der Pfarre die Wogen oft hochgehen, waren die Projekte des Pfarrers eben auch eine Geschmacksfrage.

Durch den Bevölkerungszuwachs in den Fünfziger- und Sechzigerjahren erschien die Gründung einer weiteren Pfarre - Oberbaumgarten - nötig. Dies war umso wichtiger, als die alte St.-Florian-Kapelle auf dem Gebiet eines früheren Barackenlagers, auf dem nun der Hugo-Breitner-Hof entstand, in diesen Jahren abgetragen wurde. Die neue Pfarrkirche „Zu den vier heiligen Evangelisten“ wurde am 19. Dezember 1965 geweiht; ihr erster Pfarrer wurde der frühere Kaplan von Baumgarten, Johann Eigenseder.


Auf dem Gebiet der Seelsorge waren die ersten drei Jahrzehnte nach 1945 in vielfacher Hinsicht ein Neubeginn. Unter anderem kam es zur Gründung der Pfarrbeiräte, der Vorläufer der heutigen Pfarrgemeinderäte. Pfarrer März unterstützte dies von Anfang an. Schwieriger gestaltete sich die Frage der Jugendseelsorge. Der bei der Jugend höchst beliebte Kaplan Johann Amon, der seit den Dreißigerjahren in St. Anna wirkte und gerade während der Zeit der NS-Diktatur die Jugendseelsorge unter den größten Schwierigkeiten aufrecht erhielt, wurde 1953 zum Pfarrer von Tribuswinkel bestellt und verließ somit die Pfarre.

60 Jahre Pfarrkirche St. Anna: Pfarrer März mit Kardinal Franz König
60 Jahre Pfarrkirche St. Anna: Pfarrer März mit Kardinal Franz König


Nach seinem Abgang und dem Tod Johann Gausers (1950) setzte ein reger Wechsel an Kaplänen ein, der die seelsorgliche Arbeit in der Pfarre nicht gerade einfacher machte. Einen Aufschwung brachten die auf Anregung von Kaplan Gottinger ca. 1960 eingeführten Jugendlager. Problematisch war hingegen die Ende der Fünfzigerjahre ebenfalls unter Gottinger kurzzeitig eingeführte Trennung der Jugend nach beruflichen und ausbildungsbezogenen Kriterien. Dies führte indirekt zu einer sozialen Trennung, die bedauernswerte Entwicklungen mit sich brachte.


Am 16. September 1966 wurde Pfarrer März auf dem Weg zum Baumgartner Friedhof von einem PKW niedergestoßen und schwer verletzt. Es dauerte fast ein Jahr, bis März überhaupt in die Pfarre zurückkehren konnte. Durch den Unfall hatte er bleibende körperliche Schäden davongetragen. Mit eisernem Willen aber gelang es Johannes März, noch bis zum 60. Weihejubiläum durchzuhalten und auch die Einführung der Liturgiereform als eine Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils in seiner Pfarre zu einem vorläufigen Abschluss zu bringen. Ende 1969 suchte der durch den Unfall schwer gezeichnete Priester um seine Versetzung in den Ruhestand an. Am 3. März 1976 starb er in Grein an der Donau und wurde dort unter großer Teilnahme der Baumgartner zu Grabe getragen.


Pfarrer Schlor wirkte 23 Jahre in Baumgarten.
Pfarrer Schlor wirkte 23 Jahre in Baumgarten.

Als Nachfolger von Pfarrer März wurde 1970 Franz Gasteiger in die Pfarre berufen. Obwohl der Pfarrer aufgrund diverser Konflikte mit seinen Kaplänen, dem Pfarrbeirat und der Gemeinde nur kurze Zeit in Baumgarten war, gibt es heute noch einiges, das auf seine Zeit zurückgeht: Er begann mit der Herausgabe eines Wochenzettels zur Information der Pfarrgemeinde (der heutigen „Baumgartner Kurzinformation“), zusätzlich zu einer Pfarrzeitung. Auch der noch heute aktive monatliche Seniorennachmittag wurde von ihm gegründet.

Mit 15. Juli 1973 wurde Peter Schlor zum Pfarrer von Baumgarten ernannt. Er begann sein Wirken in Baumgarten im Alter von 41 Jahren und sollte 23 Jahre lang hier Pfarrer bleiben - bis zu seiner Pensionierung im Juni 1996.

Der spätere Papst klopfte einst im Pfarrhaus an.
Der spätere Papst klopfte einst im Pfarrhaus an.

Zu Beginn seiner Amtszeit standen ihm zwei Kapläne zur Seite: Kaplan Viktor Dudzinski sowie bis Mai 1974 Peter Reithofer und anschließend bis 1975 Christian Diebl. Aus damaliger Sichtweise war dies wenig für so eine große Pfarre und Pfarrer Schlor sah sich gezwungen, die Zahl der Sonntagsgottesdienste auf vier (!) zu beschränken. 1976 kam der neu geweihte Diakon Johann Rötzer, ein spätberufener 56-jähriger Familienvater und ehemaliger Installateurmeister. Darüber hinaus stellte sich der in Baumgarten wohnende Religionsprofessor Hans Heimel als geistlicher Mitarbeiter zur Verfügung, hielt Gottesdienste und wirkte auch in der Seelsorge mit, v. a. in der Jugendpastoral. Er war es, der im Pfarrheim einen Jugendraum einrichten ließ, der (bis zum Bau des Jugendkellers Ende der 1990er-Jahre) mehreren Generationen von Jugendlichen als Heimat ihrer Gruppenstunden dienen sollte. Kaplan Dudzinski hatte oft Besuch von polnischen Priestern, die zur damaligen Zeit in ihrer Heimat nur im Untergrund arbeiten konnten. In Baumgarten erzählt man sich noch heute, dass eines späten Abends ein polnischer Geistlicher im Pfarrhaus anklopfte und um Unterkunft für die Nacht bat, was ihm aber von der Haushälterin, aufgrund der Abwesenheit von Pfarrer und Kaplan, verwehrt wurde. Später stellte sich heraus, dass der Name des Geistlichen Karol Wojtyla war – der spätere Papst Johannes Paul II.

Unter Pfarrer Schlor wurden die ersten besonders gestalteten Gottesdienste eingeführt (z. B. Kindermessen), Laienkommunionhelfer aktiviert, Bibelrunden, Bildungswerkabende, Brennholzaktionen u. v. m. initiiert. Ein besonderes Anliegen waren dem Pfarrer die Information und Mitbestimmung der Pfarrgemeinde. Legendär wurde die sogenannte „Matschkerrunde“, ein Treffen nach der Sonntagsmesse, das Pfarrmitglieder motivieren sollte, konstruktive Kritik zu üben. (In späteren Jahren sollte diese Runde durch das Pfarrcafé ersetzt werden.) Außerdem gab es den „Pfarrombudsmann-Briefkasten“ und Pfarrvolksbefragungen. Ab 1974 gab es den allerersten Pfarrgemeinderat (PGR) in Baumgarten, der ab 1974 den „Pfarrbeirat“ ersetzte und Laien noch stärker einbinden sollte. Im April 1980 wurden gar die allerersten Mädchen-Ministrantinnen in Baumgarten feierlich aufgenommen, obwohl dies offiziell noch nicht gern gesehen war.

Baumgartens berühmte Rieger-Orgel.
Baumgartens berühmte Rieger-Orgel.

 

 

Am 28. Mai 1977 konnte die neue Kirchenorgel eingeweiht werden. Aufgrund des Holzwurmbefalls der alten Orgel hatte der PGR den Bau dieses in Wien einmaligen Instrumentes durch die Firma Rieger beschlossen. Zur Einweihung feierte Kurienkardinal Rossi mit den Baumgartnern ein im ORF gesendetes Pontifikalamt und es gab mehrere Festkonzerte. Der Kirchenmusik kam seither in Baumgarten immer eine besondere Bedeutung zu: durch zahlreiche Konzerte namhafter Musikerinnen und Musiker in unserer Kirche, durch hochrangige Pfarrorganisten, aber auch durch die engagierten pfarrlichen Laienchöre, die durch die Jahrzehnte die Liturgie bereichert haben.

Im September 1977 übersiedelte das seit 1879 in der Pfarre bestehende Konvent der Unbeschuhten Karmelitinnen (Linzer Straße 216, auf dem heutigen Gelände von Klimtpark, Klimtheim sowie der Wohnhausanlage Hütteldorfer Str. 257c) nach Ober St. Veit, da das alte Gebäude zu baufällig geworden war und durch die umliegenden neuen Wohnbauten das kontemplative Leben beeinträchtigt war. Den Baumgartnern fiel der Abschied von den lieben Schwestern, die die Pfarre fast ein Jahrhundert lang mitgeprägt hatten, nicht leicht. Noch heute gibt es nicht wenige, die mit ihnen in Kontakt stehen, und auch die Schwestern tragen ihre alte Heimat weiterhin im Herzen und im Gebet mit.


1981, gerade als Pfarrer Schlor zur Erholung einige Tage Urlaub machen wollte, erreichte ihn die Nachricht, dass sein Kaplan Viktor Dudzinski verhaftet worden war. Dem Kaplan, ehemaliger Sekretär des Bischofs von Lodz, wurde vorgeworfen, für Polen bestimmte Stipendiengelder in Millionenhöhe unterschlagen zu haben. Ein kleines Team um Pfarrer Schlor verbrachte die nächsten Wochen unermüdlich damit, Entlastungsmaterial für den beliebten Kaplan zu sammeln. Zwei Monate später wurde das Verfahren eingestellt. Kurz darauf nahm die Pfarre schweren Herzens Abschied von ihm, da er Provisor in der Diözese St. Pölten wurde. Ende der 1990er Jahre sollte er wiederum in die Schlagzeilen geraten. Die genauen Sachverhalte rund um seine Hilfsaktionen für die polnische Kirche konnten bis zu seinem Tod nicht geklärt werden.

Die erste Pfarrreise ins Hl. Land
Die erste Pfarrreise ins Hl. Land


Trotz aller Probleme brachte das Jahr 1981 auch Erfreuliches: Pfarrer Schlor hatte die Idee zu einer großen Bastelaktion zugunsten der von Mutter Teresa betreuten Kinder in Kalkutta. Er initiierte in Baumgarten eine Bastelrunde, (die noch heute besteht und die Advent- und Ostermärkte bestückt) und durch Veröffentlichung in der Kirchenzeitung konnten noch weitere Bastelbegeisterte gewonnen werden, die insgesamt 684 Puppen herstellten. Bevor sie nach Kalkutta übermittelt wurden, gab es eine Puppenausstellung in der Marienkapelle, von der sogar eine Tageszeitung mit Fotos berichtete. Grund zur Freude boten auch zwei große Feste: Das silberne Priesterjubiläum des Pfarrers und die Primizfeier von Wolfgang Kaes, der jahrelang in Baumgarten als Ministranten- und Jungscharführer aktiv gewesen war.




1982 bekam Pfarrer Schlor wieder Unterstützung durch einen Kaplan: Pater Patrik Drozdik, ein gebürtiger Slowake, wurde 1974 in der damaligen CSSR illegal zum Priester geweiht und floh nach Österreich. Binnen kürzester Zeit erfreute er sich in Baumgarten großer Beliebtheit, v. a. bei der Jugend.

Im Rahmen der Erwachsenenbildung unternahm der Pfarrer 1986 mit einer Baumgartner Pilgergruppe, trotz des Attentates am Schwechater Flughafen, eine beeindruckende Reise ins Heilige Land.

Mit September 1988 wurde Kaplan Pater Patrik versetzt und nach einer Episode mit einem Kurzzeit- und einem Aushilfskaplan wurde 1989 Reinhard Knittel zum Kaplan bestellt. Der Vorarlberger, ein Anhänger des „tridentinischen“ Messritus, blieb zwei Jahre und wurde dann theologischer Berater Bischof Krenns in St. Pölten. 1989 war auch der langjährige Diakon Johann Rötzer in Pension gegangen. Ab 1991 war für einige Jahre Stefan Trstenjak Pastoralassistent. Die Mitarbeit der Laien funktionierte kontinuierlich gut, beispielsweise wurde 1992 eine Mütterrunde gegründet.

In der zweiten Hälfte der 80er und in den beginnenden 90er Jahren waren wieder einmal geprägt von Reparatur- und Restaurierungsarbeiten. Unter anderem wurde die Marienkapelle zur Wochentagskapelle adaptiert. 1994 verursachten Winterstürme Schäden am Dach und am Gewölbe. Auch in die Erhaltung des Pfarrheims floss viel Geld. Das Pfarrcaritas-Team war durch die politische Lage in Europa besonders gefordert: 1989 gab es eine große Hilfsaktion für Rumänien nach dem Sturz des Regimes. Zur Zeit des Jugoslawien-Kriegs wurden am Steinhof-Gelände untergebrachte Bosnien-Flüchtlinge wöchentlich besucht und unterstützt.


1993 musste Pfarrer Peter Schlor aufgrund einer schweren Erkrankung für mehrere Wochen ins Spital und zur Rekonvaleszenz. Er sollte sich nie wieder ganz davon erholen. Im September 1994 kam endlich wieder ein junger Kaplan nach Baumgarten: Florian Sobocan, ein gebürtiger Kroate, übernahm die Kinder- und Jugendpastoral. Er erfreute sich durch die sehr persönliche Begleitung seiner „Schäfchen“ bald großer Beliebtheit. 1994 fand im Herbst das erste Baumgartenfest statt. Im selben Jahr wurde der Verein „Rettet St. Anna“ zur Kirchenerhaltung gegründet. 1995/96 war das letzte Arbeitsjahr für Pfarrer Peter Schlor vor seiner Pensionierung. Die Baumgartner bereiteten ihm und seiner Mutter, die bei ihm im Pfarrhof gewohnt hatte, ein großes Abschiedsfest. Pfarrer Schlor hatte die Pfarre 23 Jahre lang gewissenhaft, und – so lange es sein Gesundheitszustand zuließ – auch mit vollem Einsatz geleitet. Die letzten, von Krankheit geprägten Jahre waren jedoch sowohl für ihn als auch für die Pfarre oft eine große Belastung. Peter Schlor war kein leutseliger, aber ein menschenfreundlicher, humorvoller Mensch. Während lange Zeit mehrere Kapläne pro Pfarre üblich waren, war er der erste Pfarrer in Baumgarten, der streckenweise ohne geistliche Mitarbeiter auskommen musste. Hier kam ihm seine offene, vom II. Vatikanischen Konzil geprägte Gesinnung zugute, denn es gelang ihm, den neuen Geist umzusetzen und Laien verstärkt einzubinden. Er verstarb am 24. Juli 1999 mit nur 67 Jahren.


Die feierliche Amtseinführung des neuen Pfarrers Franz Nebenführ, der zuvor viele Jahre als Pfarrer in St. Hemma gewirkt hatte, erfolgte am 28. September 1996. Mit dem Pfarrer begann auch Christoph Buda als Pastoralpraktikant (später Diakon bis September 2012) und Christine Szedenik wurde zur neuen Pfarrsekretärin bestellt.

Pfarrer Nebenführ und Kardinal Christoph Schönborn
Pfarrer Nebenführ und Kardinal Christoph Schönborn


Die ersten Herausforderungen für den neuen Pfarrer waren einmal mehr dringend nötige Sanierungsarbeiten. Im Dezember 1996 musste die Feuerwehr einen durch Vandalen verursachten Brand in der Kirche löschen. Dank Kaplan Sobocan erlebte die Ministrantenarbeit eine neue Blüte, die junge Schar bekam auch neue, weiße Kutten. Bei der PGR-Wahl wurden sechs Frauen und sechs Männer als Pfarrgemeinderäte gewählt, darunter wieder viele junge Leute.

Anlässlich des 40. Jahrestages der Priesterweihe von Pfarrer Nebenführ am 29. Juni 1997 feierte die Pfarre mit dem Jubilar eine feierliche Dankmesse und ein Fest. Niemand konnte ahnen, dass es das letzte Fest mit Pfarrer Nebenführ werden sollte. Am 21. August musste er sich in Spitalsbehandlung begeben, und nur einen Monat später, am 23. September 1997, verstarb er völlig unerwartet nach kurzer, schwerer Krankheit im 66. Lebensjahr. An seinem Begräbnis auf dem Hietzinger Friedhof nahmen Kardinal Schönborn und mehr als 50 Priester sowie unzählige Gläubige aus verschiedenen Pfarren teil, die Pfarrer Nebenführ verbunden waren.

Da Florian Sobocan wenige Wochen zuvor - nach einem schweren Abschied - Kaplan in Neusimmering geworden war, brauchte die Pfarre nun dringend einen neuen Geistlichen. Ende September wurde Boleslaw Krawczyk, ein polnischer Pallottiner, zum Provisor ernannt. Obwohl der kontaktfreudige Priester wusste, dass er nur vorübergehend in Baumgarten sein würde, stürzte er sich mit großem Elan auf die Aufgabe. Durch einen Spendenaufruf schaffte er es, die Pfarrkanzlei endlich technisch zeitgemäß mit PC, Faxgerät und Anrufbeantworter auszurüsten. Auch die Neugestaltung des liturgischen Opferganges (Hostien werden vor der Messe von den Gläubigen in die Hostienschale gelegt und bei der Gabenbereitung zum Altar gebracht) geht auf ihn zurück. Eine seiner Initiativen wird den Gottesdienstbesuchern in besonderer Hinsicht noch lange in Erinnerung bleiben: Ihm ist es zu verdanken, dass es seit 1998 in der Kirchenkrypta eine hygienische Sanitäranlage gibt.

Kaplan Markus Muth (links) und Pfarrer Michael Scharf (2. von rechts)
Kaplan Markus Muth (links) und Pfarrer Michael Scharf (2. von rechts)



Mit 1. September 1998 begann für die Pfarre wieder ein neuer Abschnitt: Michael Scharf, Jahrgang 1964, geistlicher Assistent der Charismatischen Erneuerung der Erzdiözese Wien, zuletzt Pfarrer am Kordon, wurde zum neuen Pfarrer von Baumgarten ernannt. Mit ihm begann als Kaplan der frisch geweihte junge Priester Markus Muth. Das erste Jahr ihrer Tätigkeit mussten Pfarrer und Kaplan in der Pfarre Oberbaumgarten Quartier nehmen, da das Pfarrhaus einer dringenden Renovierung unterzogen werden musste.



Das junge Team brachte frischen Wind in die Pfarre. Pfarrer Scharf verstand es, in spezieller Weise Kinder und junge Familien anzusprechen, und schaffte es, mit einem starken Laien-Team viele Bereiche neu zu beleben und die Kirche zu füllen – ganz besonders bei Kinder- und Familienmessen. Kaplan Markus Muth eroberte nicht nur die Herzen der Jugend, sondern wurde als Seelsorger mit Leib und Seele zum Begleiter vieler Baumgartnerinnen und Baumgartner aus allen Generationen (und nicht weniger auch bis heute).

Als Belastungsprobe für Pfarrer Scharf erwies sich der defizitäre und baulich desolate Pfarrkindergarten. Um die Einrichtung nicht schließen zu müssen, stellte der Pfarrer einen Pfarrökonom an (der spätere Diakon Harald Schatz, der bis 2005 blieb), der ein Finanzkonzept für den Umbau und die Vergrößerung des Kindergartens und Horts entwickelte, das letztlich zum Erfolg führte. Neben Pfarrheim und Pfarrhaus wurde aber auch die Kirche wieder zur Baustelle: Da Anfang 1999 Verputzstücke von der Decke gefallen waren, musste sie aus Sicherheitsgründen für einen Monat geschlossen bleiben, die Gottesdienste wurden in Oberbaumgarten gefeiert. In der Kirche musste ein Schutzgerüst aufgestellt werden, das bis Weihnachten 2000 blieb und von den Gläubigen positiv angenommen wurde, v. a. durch die von Pfarrer Scharf entworfenen Gerüstbilder mit biblischen Szenen. 2000 mussten auch die Hauptfassade eingerüstet und der Haupteingang vorübergehend gesperrt werden.

Neue Aktivitäten waren z. B. Mitarbeiter-Dankfeste, Alpha-(Glaubens-)Kurse, der EZA-Produkte-Verkauf und Hausbesuchsaktionen. Kaplan Markus Muth erarbeitete (nach einer Idee des Pfarrers) mit seinen Jugendleiterinnen und -leitern ein Konzept für den Ausbau und die Führung eines Jugendkeller-Betriebs in den Kellerräumen des Pfarrhauses. Neben den Jugendlichen waren ihm v. a. die jungen Erwachsenen ein Anliegen, für die er „Tankstellen“, Wallfahrten, gemeinsame Urlaube u. v. m. organisierte. Der Abschied fiel der Gemeinde schwer, als er im September 2001 zum Jugendseelsorger des Südvikariats bestellt wurde. Ihm folgte der polnische Kaplan Pawel Stawarczyk, der mit dem Jugend-Team die Jugendkeller-Arbeit fortsetzte und bis 2006 blieb.

Pfarrer Scharf, seit 2001 auch Dechant, entwickelte gerade eine Pfarrumstrukturierung, die den Pfarrer entlasten und Ehrenamtliche als eigenständige Bereichsleiter einsetzen sollte, als er im Mai 2002 zum Leiter des Pastoralamts ernannt wurde.

Pfarrer Abrahamowicz leitete Baumgarten  bis 2016.
Pfarrer Abrahamowicz leitete Baumgarten bis 2016.

Sein Nachfolger wurde im September 2002 Clemens Abrahamowicz, ehemaliger Regens des Wiener Priesterseminars. Wie alle Pfarrer vor ihm war auch er zunächst mit baulichen Angelegenheiten beschäftigt: In der Kirche wurden Heizung, Tonanlage, Volksaltar samt Podest erneuert, Sakristei und Seitenschiffe saniert. Das Pfarrheim wurde mit einem behindertengerechten Zugang versehen, Pfarrsaal und Jungscharraum renoviert und das Dachgeschoß für den Kindergarten ausgebaut (Seit 2009 gehört der Kindergarten – wie viele andere Wiener Pfarrkindergärten – zur St.-Nikolaus-Tagesheimstiftung.). Im Pfarrhaus wurde das Dach saniert und - größtenteils durch Eigenleistung junger Leute - der Jugendkeller ausgebaut.

 

Seit 1. September 2009 stand Pfarrer Abrahamowicz Kaplan Pawel Marniak, ein gebürtiger Pole, als Kaplan tatkräftig zur Seite. Er ist Pallottiner und war zuvor als Seelsorger im SMZ Süd tätig.

 

Höhepunkt dieser Jahre war schließlich das 100-Jahre-Jubeljahr 2008 mit der Überführung der Anna-Reliquie aus Rom, der neu organisierten Pfarrwallfahrt nach Mariazell („Jahrhundertwallfahrt“), dem 100-Jahre-Kirchweihfest mit Kardinal Schönborn und vielen weiteren Jubel-Veranstaltungen.

 

 

Die Anna-Reliquie aus Rom
Die Anna-Reliquie aus Rom
Das Startfest für den gemeinsamen Entwicklungsraum mit den Pfarrern und Kaplänen aus Oberbaumgarten und Baumgarten.
Das Startfest für den gemeinsamen Entwicklungsraum mit den Pfarrern und Kaplänen aus Oberbaumgarten und Baumgarten.

Im September 2012 erklärte der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn, dass die Erzdiözese Wien eine neue Pfarrstruktur erhalten wird. Die „neuen Pfarren“ zeichnen sich vor allem durch eine inhaltliche Neupositionierung aus: Mission und Jüngerschaft, gemeinsames Priestertum, Entstehen neuer Gemeinden und gemeinschaftliche Leitung von Priestern und Laien.

Pfarrverbände und Seelsorgeräume sollen wertvolle Übergangsformen in neue Pfarren darstellen. In diesem Vorgang werden zwar Pfarren aufgehoben, nicht aber Gemeinden.

St. Anna – Baumgarten bildet mit unserer Nachbarpfarre Oberbaumgarten gemeinsam den Entwicklungsraum „Dekanat 14 Mitte“. Im Frühjahr 2016 gab es aus diesem Anlass ein gemeinsames Startfest mit Gottesdienst und Besichtigung in der Kirche St. Leopold am Steinhof.

 

 

 

Die am Pfingstmontag 2016 in Baumgarten abgehaltene Firmung war bereits ein erstes gemeinsames Projekt der beiden Partner-Pfarren.  

Die pfarrübergreifende Firmung am Pfingstmontag 2016 mit Firmspender Monsignore Leo Maasburg
Die pfarrübergreifende Firmung am Pfingstmontag 2016 mit Firmspender Monsignore Leo Maasburg
Pfarrer Abrahamowicz und sein langjähriger Kaplan und späterer Nachfolger Pawel Marniak
Pfarrer Abrahamowicz und sein langjähriger Kaplan und späterer Nachfolger Pawel Marniak

Tags davor, am Pfingstsonntag, informierte Pfarrer Abrahamowicz seine Gemeinde über eine große Veränderung: Einige Wochen zuvor hatte Kardinal Schönborn ihn gebeten, die Pfarre St. Stephan in Baden zu übernehmen. Der dortige Pfarrer würde mit Ende August altersbedingt die Pfarre verlassen. Pfarrer Abrahamowicz überlegte sich den Schritt, der Bitte des Kardinals zu entsprechen und Baumgarten zu verlassen, sehr intensiv und gut. Hätte er doch von sich aus keinen Anlass gesehen, an der derzeitigen Situation in Baumgarten etwas zu verändern. An jenem Pfingstsonntag eben teilte er der Pfarre seinen reiflich überlegten Entschluss mit: Er werde mit 1. September 2016 Moderator von St. Stephan in Baden werden. Zu seiner großen Erleichterung hatte Kardinal Schönborn zugestimmt, Pawel Marniak, der mittlerweile seit sieben Jahren Kaplan in Baumgarten war, zum Provisor der Pfarre zu ernennen.

 

Beide Herren sind in ihren neuen Pfarren nicht „Pfarrer“ im ureigentlichsten Sinn. Auch dies hat mit der oben erwähnten Pfarrstruktur-Reform zu tun: Bis zum Abschluss dieser werden in der Erzdiözese Wien keine Pfarrer ernannt, weil diese de facto „unversetzbar“ sind.

Pawel Marniak leitet seit 1. September 2016 als „Provisor“ die Pfarre St. Anna – Baumgarten, da es seine erste Leitungsfunktion ist und er den für eine Pfarrleitung nötigen zweijährigen Lehrgang noch nicht absolviert hat. Dafür kamen Pfarrer Abrahamowicz’ Weggang und seine eigene Ernennung zu plötzlich. Nach Abschluss dieses Kurses wird auch er zum Moderator ernannt. Für die Leitung einer Pfarre mit all ihren Vollmachten und Befugnissen machen die Bezeichnungen „Pfarrer“, „Moderator“ oder „Provisor“ aber keinen Unterschied.

 

Ein großer Schritt im gemeinsamen Entwicklungsraum mit der Pfarre Oberbaumgarten geschah 2017:  Pfarrer Pawel Marniak wurde mit 1. September 2017 zum Pfarrprovisor von Oberbaumgarten ernannt, da der dortige Pfarrer Bogdan Pelc in eine andere Pfarre gewechselt hat. Vorerst blieben die beiden Pfarren aber bestehen mit jeweils eigenen Gremien (PGR, Finanzen, …). 

 

 

Franz Cadilek, Sabine Saminger, Erik Kroiher, Gabi Moritz

Bearbeitung: Gabi Moritz