Ostern 2009: Die Heilige Woche - Palmsonntag: Einzug auf dem Esel

Mit der Prozession am Palmsonntag startete die Pfarrgemeinde von Baumgarten am 5. April in die Karwoche des Jahres 2009. Viele Menschen schlossen sich der Feier an.

Als sie die zwei Esel erblickten, begannen die Augen der vielen anwesenden Kinder zu leuchten. Vermutlich waren die Tiere für manche Familien mit ein Grund, am Palmsonntag bei der liturgischen Feier der Kirche dabei zu sein – konnte man doch zahlreiche Menschen sehen, die nicht zu den Stammgästen von St. Anna zu zählen sind.


Palmkätzchen waren es vermutlich nicht, die die Leute damals vor 2000 Jahren jubelnd in die Höhe hoben, als Jesus auf einem jungen Esel in die Stadt einritt. Doch abgesehen davon mag die Stimmung ganz ähnlich gewesen sein wie heute. Der Platz vor dem Seniorenheim in der Felbigergasse füllte sich am ersten Sonntag im April mehr und mehr mit gut gelaunten Menschen. Die Sonne sandte ihre ersten warmen Strahlen hinab und die Jüngsten drängten sich mit ihren Palmbuschen nach vorne, um die beste Aussicht zu ergattern.


Pfarrer Clemens Abrahamowicz segnete die langen Buschen und teilte sie gemeinsam mit Diakon und Seminaristen an die vielen versammelten Mädchen und Buben aus. Aus der Bibel wurde die berühmte Stelle des Einzugs in Jerusalem vorgelesen. Noch setzen die Leute falsch verstandene Hoffnungen in Jesus und rufen ihm „Hosanna, hosanna!“ zu. Nichts deutet auf den ersten Blick auf das hin, was wenige Tage später geschehen wird.


In Baumgarten setzte sich nach rund einer halben Stunde die Prozession in Bewegung. Voran ging die große Schar an Ministranten. Einige überglückliche Kinder durften sogar auf den genügsamen Eseln Richtung Kirche reiten. Die Frauen, Männer und Kinder Baumgartens zogen in einer langen Schlange hinterher. Vor dem Kirchengebäude angekommen, nahm Pfarrer Abrahamowicz das große geschmückte Holzkreuz in die Hände, um damit gegen das Haupttor zu pochen. Dieses öffnete sich sogleich – Jesus, der uns durch sein Leiden alle Türen aufschließt.


In der Kirche wurde traditionell mit verteilten Rollen die Passion gelesen. Die Stimmung der Menschen im Heiligen Land ist nun radikal gekippt. Jesus, den sie noch vor kurzem so verehrt und geliebt haben, möchten sie nun am Kreuz sehen. Die dramatischen Ereignisse am Gründonnerstag und Karfreitag sind längst unausweichlich.


Vor der Kirche und später in der Marienkapelle fand für die Jüngsten unterdessen ein aufwendig vorbereiteter Kinderwortgottesdienst mit Symbolen zum Angreifen, einem gedeckten Abendmahltisch, Liedern und bunten Luftballons statt. Schade nur, dass nicht auch die Erstkommunionskinder dabei sein durften – die kindgerechte Herangehensweise hätte ihnen vermutlich weit mehr gebracht als das Anhören der doch sehr langen Passionslesung.


Thomas Theiner erklärte den Kindern, wie dieses Umkippen der Stimmung damals möglich war: „Ihr kennt das sicher: Obwohl ihr eure Mama lieb habt, seid ihr nicht auch manchmal plötzlich böse auf sie, wenn sie euch euren Wunsch nach Schokolade vor dem Essen nicht erfüllen will?“ Zum Vaterunser zogen die rund 40 Mädchen und Buben wieder in die Kirche ein. Nach fast zwei Stunden war der sehr gut besuchte Palmsonntagsgottesdienst vorbei. Der Passionstext erinnerte uns jedoch daran, welche Bitterkeit uns im Lauf der Karwoche noch erwarten würde: „Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten suchten nach einer Möglichkeit, Jesus mit List in ihre Gewalt zu bringen, um ihn zu töten.“