Die Heilige Woche 2011 - Karfreitag: „Es ist vollbracht ...“

Einen richtigen Brennpunkt erreichten die drei heiligen Tage am Karfreitag, den 22. 4. 2011, als sich um 14:30h etliche Pfarrmitglieder in der Pfarre Baumgarten versammelten, um den Kreuzweg gemeinsam zu begehen. Um 15:00h erreichten sie die 12. Station – Jesus stirbt am Kreuz, unter qualvollen Schmerzen, verraten, erniedrigt und schändlich zugerichtet.

Alles steht still. Die ohnehin schon angespannte Stimmung, die seit dem letzten Abendmahl am Gründonnerstag herrscht, erreicht nun ihren Höhepunkt. Wer zur Karfreitagsliturgie um 19:00h erscheint, der nimmt sofort die Leere und Verlassenheit in der Kirche wahr. Es ist immer noch kein Weihwasser vorhanden. Wenn man nach vorne zum Altar marschiert, fehlt jeglicher Altarschmuck. Alles ist kahl, trostlos und leer – keine Blumen, keine Kerzen, kein Altartuch, das Kreuz ist mit einem violetten Tuch bedeckt, die Tabernakel sind alle offen und leer.


Der Einzug der Geistlichen und der Ministranten findet in vollkommener Stille statt, es kommt keinerlei Gefühl einer normalen Messe auf, heute ist die Kirche, für alle deutlich spürbar, im Ausnahmezustand. Wir machen dort weiter, wo wir gestern aufgehört hatten – 3 Tage, eine Messe. Die Priester und Diakone legen sich schweigend in ihren roten Gewändern vor den Altar. Für wenige Momente durchbrechen Ratschen mit ihrem harten, etwas erschreckenden Klang die bedrückende Stille.


Mit verteilten Rollen lesen einige Männer und Frauen gemeinsam mit den Geistlichen Jesus letzte Stunden und seine Leidensgeschichte nach Johannes vor. Hierbei wird uns wieder einmal klar, wie sehr Jesus uns geliebt hat und wie sehr er für uns zu leiden bereit war.


Wie werden sich die Menschen, die Jesus geliebt haben, nach dessen grausamen Tod gefühlt haben? Aus und vorbei, alles hat keinen Sinn mehr … könnten sich seine Jünger gedacht haben, nachdem ihr Freund, ihr Herr und Meister, derjenige, für den sie alles aufgegeben hatten, so entsetzlich sterben musste. Einige erwiesen ihm die letzte Ehre und sorgten dafür, dass sein Leib nach diesem grausamen Tod ein menschliches Begräbnis bekam.


Diakon Christoph Buda erklärte in seiner Predigt, dass es verständlicherweise weh tut, wenn man am Grabe eines geliebten Menschen steht und dieses geschlossen wird. Vor allem, wenn man aus menschlicher Sicht keinen Sinn im Tode sieht. Der Tod am Karfreitag ist allerdings der Brennpunkt, die Mitte, die erst allem einen Sinn gibt, was Jesus während seines Lebens auf Erden gesagt oder getan hat.


Bei der Gründonnerstagsmesse haben wir etwas über das Priestertum erfahren. Welche Aufgabe hatte ein Priester damals? Ein Priester musste Opfer bringen, um Gott milde zu stimmen und ihn mit sich und den Menschen zu versöhnen. Aber plötzlich stellen wir Menschen fest, dass es genau anders herum läuft! Gott selbst opferte aus Liebe zu uns Menschen seinen einzigen geliebten Sohn! ER will UNS „milde stimmen“, er will uns zeigen, wie sehr er uns liebt und dass jeder von uns berufen ist, auch so tief zu lieben.


Es gibt nichts, was Gott nicht für den Menschen tut, wir dürfen uns also nicht zu gut sein, um etwas füreinander zu tun. Gott ist sich immerhin nicht zu gut, um seinen einzigen geliebten Sohn für uns herzugeben und zu opfern.


Die 10 Fürbitten werden diesmal ziemlich intensiv mitgebetet. 10 Mal beugen wir alle die Knie und bitten Gott um seine Unterstützung aller Menschen in vielen schwierigen Lebenslagen. Pfarrer Clemens Abrahamowicz erklärt, dass Jesus schließlich der große Fürbitter beim Vater ist und wir berufen sind, mit ihm für andere zu beten.


Als Fokus des österlichen Geheimnisses wird nun das Kreuz drei Mal erhoben. Pfarrer Abrahamowicz singt: „Seht das Holz des Kreuzes, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt“ – „Kommt lasset uns anbeten!“ Langsam wird der mit einem weißen Tuch abgedeckte Jesus am Kreuze enthüllt und zur Verehrung aufgestellt. Vier volle Kübel mit Wasser stehen schon bereit, um die vielen Blumen, die die Messbesucher mitgebracht haben zu tragen.


Der nackte Altar wird für die Dauer der Kommunion mit Tischtuch, Kerzen, Kelch und Schalen gedeckt und anschließend wieder abgeräumt. Keine Wandlung, kein Friedensgruß, die Kirche bleibt leer und schlicht. Am Ende ziehen die Geistlichen, der GOoD-News-Chor (der die Liturgie mit ruhigen Taizé-Liedern begleitet hat) und viele von den Messbesuchern gemeinsam zum Grab von Jesus.


Auch heute gibt es wieder ein Open Ending, gesungen und gebetet wird bis spät in die Nacht. Das gemeinsame Bewachen des Grabes bei abgedunkeltem Licht und weichem Kerzenschein sorgt für eine tröstende Atmosphäre. Es ertönen, neben dem GOoD-News-Chor, viele neue Stimmen beim gemeinsamen Gesang, bei dem etliche berührende Worte an Jesus gerichtet werden: „Jesus remember me, when you come into your kingdom“ – „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Königreich kommst.“