Ostern 2014: Antenne zu Gott - Palmsonntag: Antenne zu Gott

Eine Woche vor Ostern, am Palmsonntag, gab es vor dem Gustav-Klimt-Heim wieder ein außergewöhnlich buntes Ereignis zu bewundern. Zahlreiche Erwachsene und Kinder, mit farbenfroh geschmückten Palmzweigerln ausgerüstet, und zwei geduldige Esel bereiteten sich für die alljährliche Palmsonntags-Prozession vor. Die Eröffnung der heiligen Woche - Jesus zieht nach Jerusalem ein!

Autofahrer werden es an diesem Sonntagmorgen nicht leicht gehabt haben. Wiens Straßen sind nicht nur aufgrund des Vienna City Marathons weiträumig gesperrt. Auch unzählige Katholiken spazieren mit polizeilicher Unterstützung und Errichtung von Straßensperren jubelnd und singend, mit jeder Menge Palmzweigerln ausgerüstet, zu ihren Kirchen. Auch unsere Pfarre, St. Anna - Baumgarten, bereitet sich aus alter Tradition wieder vor dem Gustav-Klimt-Heim in der Felbigergasse auf den jährlichen Umzug vor und begrüßt freudig winkend die zahlreichen Bewohner des Heimes, die an ihren Fenstern stehen und mit uns mitfeiern.


Der Anblick lässt nichts zu wünschen übrig – jede Menge Kinder wedeln fröhlich mit ihren bunt geschmückten Palmbuschen herum, zahlreiche Prozessionsteilnehmer, darunter auch unsere beiden treuen Eselchen, eine kleine Musikgruppe und die Priester mit einer ganzen Ministrantenschar, befüllen den Platz vor dem Heim. Auf einem kleinen Altar segnet Pfarrer Clemens Abrahamowicz die Palmzweigerln und spricht durch sein Mikrofon zu den Kindern: „Haltet die Palmzweigerln ganz weit nach oben! Das sind die Antennen, die wir zu Gott in den Himmel richten wollen!“. Die weichen, flauschigen Kätzchen bezeichnet er als kleine Herzen, die uns daran erinnern sollen, unsere Liebe wie Bussis an andere weiterzugeben.


Doch was genau empfangen wir heute mit unseren Antennen am „Palmsonntags-Sender“? Die Leute jubeln und feiern. Noch ist die Stimmung nicht gekippt. In Jerusalem ist die Freude noch groß, dass jemand gekommen ist, dem sie voll und ganz vertrauen können! Jesus ist ein König, der nicht unterdrückt, er ist ein König, der die Wahrheit sagt! Doch leider bringt die Wahrheit einem manchmal Ärger ein, Jesus bringt sie sogar den Tod. „Die Profiteure eines negativen Systems haben plötzlich keinen Profit mehr …“, stellt Pfarrer Abrahamowicz fest. Diese Menschen fürchten sich und wollen den ungewöhnlichen König, der die Herzen der Menschen so schnell erobert, loswerden.


Jesus ist in vielerlei Hinsicht ein ungewöhnlicher König. Welcher König würde schon auf einem Esel nach Jerusalem einreiten? Ist das nicht peinlich? Wenn ein Erwachsener auf einem Esel sitzt, dann berühren seine Füße doch beinahe den Boden! Warum wählt er kein stolzes, großes und königliches Pferd? Pfarrer Abrahamowicz erklärt es uns ganz simpel – Jesus ist bodennah! Er ist greifbar für uns! Er ist kein König, der von oben auf uns herabsieht. Er ist dem Boden nahe. Dem Humus - daher kommt auch das Wort „Humor“ oder „Humilitas“, die Demut. Jesus lacht mit uns, er weint mit uns, er stirbt sogar für uns.


Unsere jungen Ministranten Gregor und Jonas dürfen heuer auf den beiden Eseln Richtung Kirche reiten. Alle Jahre wieder ein bezaubernder Anblick. Jesus wollte eine Eselin und ein Fohlen … klein und noch kleiner. Jesus ging es nicht darum, groß und königlich zu erscheinen! Der musikalisch begleitete Umzug in die Kirche ist alle Jahre wieder besonders bewegend. Wir ziehen mit Jesus nach Jerusalem ein, so wie Jesus in unser Herz einziehen möchte. In unser Leben, in die Arbeit, in die Schule, in den Kindergarten, in die Familie … als wir vor dem verschlossenen Kirchentor stehen, klopft Pfarrer Abrahamowicz drei Mal mit dem großen Holzkreuz ans Tor. Jesus stürmt unser Herz nicht, er kommt nicht mit Gewalt hinein! Auch er klopft an und bittet uns, ihn hineinzulassen.


Was auf den Straßen einfach schien, erweist sich in der Kirche als eine Herausforderung. Glücklicherweise hat das Messteam mit diesem Ansturm an Besuchern gerechnet, denn die riesige Kinderschar wurde schnurstracks in den linken Flügel der Kirche, zu einem vorbereiteten Platz am Herz-Jesu-Altar gelotst, damit die vielen Erwachsenen und Jugendlichen etwas mehr Bänke und Stehplätze nutzen können. Während die Passion gelesen wird, bekommen die Kinder Papierkronen ausgeteilt, die passend zur jeweiligen Stelle der Passion mit Schablonen dekoriert und angemalt werden können.


Die letzten Stunden Jesu, sein Leiden, sein Tod und seine Auferstehung werden nun von einer Gruppe Erwachsener vorgelesen. Der Priesterseminarist steigt auf die Kanzel und übernimmt die Rolle des Erzählers, die anderen Rollen sind auch bereits verteilt. Während gelesen wird, befüllen die Messbesucher nach und nach das große Holzkreuz mit brennenden Teelichtern. Eine Geschichte voller Verrat, Verleugnung, Enttäuschung und Schmerz. „Ans Kreuz mit ihm!!“, rufen einige Männer von der Orgelempore aus ziemlich glaubwürdig mehrmals auf Pilatus hinunter. Was hat dieser Mensch bloß getan? Wie können die Menschen ihren König der Liebe denn so fürchten und hassen? Pilatus kann es selbst nicht verstehen.


Der markerschütternde Ratscheneinsatz beim Tod Jesu sorgt augenblicklich für absolute Stille. Ein schmerzhaftes Ende. Schockierend für alle, die Jesus geliebt haben. Doch wir wissen heute, die Geschichte geht weiter! Unser ungewöhnlicher König lässt sich vom Tod nicht besiegen, er besiegt den Tod! Damit unsere Kinder den Sinn auch erfassen, lädt Kaplan Pawel Marniak die Kinder dazu ein, uns ihre Kronen zu präsentieren. Jesus macht aus uns allen kleine Könige der Herzen. Wir dürfen hinausgehen und auch Liebe verteilen – wie die „Bussis“ auf den Palmzweigerln.


Der Sinn vom Palmsonntag besteht darin, dass wir hinausgehen und zeigen, dass wir keine Menschen sind, die Unfrieden stiften oder anderen Menschen Leid antun. Strecken wir unsere Fühler, unsere Antennen zu Gott aus, halten wir die Palmzweigerln in die Höhe und öffnen das Tor zu unserem Herzen. Jesus will, dass wir die Liebe, von der er immerzu gesprochen hat, verbreiten. Mit dieser Aufgabe werden wir hinausgeschickt. Unser ungewöhnlicher König der Herzen hat es uns vorgemacht. Lasst uns nicht darauf vergessen, Gutes zu tun, egal, ob es schnell einmal ein liebes Wort ist oder einfach ein kleines Palmkätzchen-Bussi.