Ostern 2014: Antenne zu Gott - Gründonnerstag: Treu bis zum Schluss

Mit dem Gründonnerstag trat Baumgarten in die heiligen drei Tage der Karwoche ein. Im Gottesdienst am Abend wurde die Feier vom letzten Abendmahl Jesu begangen, die auch heuer wieder das starke Zeichen der Fußwaschung beinhaltete.

Triduum sacrum, Gründonnerstag – Karfreitag – Osternacht: schon der eigene klingende Name zeigt, dass diese sogenannten heiligen drei Tage eine ganz besondere Bedeutung im Kirchenjahr haben. Und, dass sie nicht voneinander zu trennen sind. Es ist eine große Liturgie, die in diesen Tagen in der Pfarrkirche St. Anna gefeiert wird. Eine Liturgie, die am Gründonnerstag um 18.30 Uhr beginnt und erst mit dem Schlusssegen und dem „Gehet hin in Frieden!“ am Sonntag kurz vor 1 Uhr mitten in der Osternacht enden wird.


Am Donnerstagabend hat sich die Pfarrgemeinde bereits für den Beginn dieses Triduum sacrum versammelt: die Feier des letzten Abendmahls. Wieder ist das große, verhüllte Holzkreuz mit dabei, als die Ministranten in großem Einzug Richtung Altarraum schreiten. Hinter ihnen gehen 12 Menschen ohne liturgische Kleidung, sie erinnern uns an die 12 Jünger Jesu, die bei diesem letzten gemeinsamen Abendessen mit Jesus versammelt waren.


Zum letzten Mal läuten die Glocken sturm und die Orgel braust, als das Gloria angestimmt wird. Danach müssen wir bis zum Gloria in der Osternacht mit der erdrückenden Stille, der Kargheit leben, die das Leiden und der Tod Jesu in uns verursachen.


Bei der Lesung aus dem Alten Testament erinnern wir uns daran, dass Gott später den Bund erneuert, den er mit seinem Volk viele Jahrhunderte zuvor geschlossen hat. „Gott möchte, dass wir Anteil an seiner Liebe haben“, spricht Pfarrer Clemens Abrahamowicz der Pfarrgemeinde selbst in diesen so traurigen Tagen Mut zu.


In der zweiten Lesung werden die Worte gesagt, die wir aus so vielen Sonntagsmessen kennen: „Nehmt und esst alle davon, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Jesus gibt sich ganz für uns hin, macht sich klein für uns, jedes Mal aufs Neue, wenn wir die Kommunion empfangen. Als die berühmten Einsetzungsworte später bei der Eucharistie noch einmal gesprochen worden, schreckt man auf, als es diesmal heißt „… das ist heute“.


Im Evangelium hören wir von einer nahezu unerhörten Begebenheit: Jesus macht sich zum Diener, er macht etwas, was sonst Sklavendienst ist, und wäscht seinen Jüngern die Füße. Er weiß genau, dass einer ihn verraten, einer ihn verleugnen wird. Verraten auch wir manchmal unsere Treue zu Jesus, unser Christ-Sein? Sind wir nicht manchmal auch zu ängstlich, zu feig, zu bequem oder zu cool, um bei ihm zu bleiben?


Jesus lässt sich von unserer Schwäche nicht beirren. Er wäscht seinen Jüngern die Füße und ruft sie und damit uns alle auf, dasselbe füreinander zu tun: einander Diener zu sein. Dieses wunderschöne Zeichen dienender Liebe wird auch im Altarraum vollzogen. Pfarrer Abrahamowicz bückt sich zu den 12 Menschen, die links und rechts vom Volksaltar sitzen, nimmt sich Zeit, wäscht jedem von ihnen mit einem Wasserkrug die Füße und trocknet sie sorgsam mit einem Tuch ab. Besonders berührend für viele Baumgartner ist, dass heuer erstmals Männer, Frauen und Kinder an der Fußwaschung teilnehmen, ganz so, wie es Papst Franziskus vorgelebt hat.


Als die Jünger hören, dass sie nur so Anteil an Jesus haben können, wollen sie, dass auch der Rest ihres Körpers gewaschen wird. Doch Jesus erwidert, dass, wer vom Bad kommt, nur mehr die Füße reinigen muss. Pfarrer Clemens Abrahamowicz erklärt: „Genauso ist es auch bei uns. Die Grundreinigung haben wir bereits in der Taufe bekommen, was noch fehlt, ist die kleine Reinigung: die Versöhnung im Alltag, in der Familie, in der Beichte.“


Zur Gabenbereitung bringen Kaplan Pawel Marniak und der stv. Vorsitzende des Pfarrgemeinderates einen überdimensionalen Laib Brot und Trauben zum Altar. Eine Stola wird darauf platziert und der Zelebrant erklärt: „Mit dem heutigen Tag wird Jesus als Priester eingesetzt. Und die Jünger haben ihre Erstkommunion.“


Am Ende der Gründonnerstagsfeier wird das Licht gedimmt. Alle ziehen mit dem Allerheiligsten zum Seitenaltar und verweilen noch eine ganze Weile kniend, während stimmungsvolle Taizé-Lieder gesungen werden. In der Nacht vor seinem Tod verspürt Jesus große Angst, denn er ist Mensch und fühlt wie wir. Er bittet seine engsten Jünger: „Bleibet hier und wachet mit mir.“ Doch sie schlafen ein, wie auch wir oft mit unseren Gedanken ganz woanders sind. Jesus ist nun ganz allein in Gethsemane und betet zu Gott. Er weiß, was ihn erwartet, der Prozess am nächsten Morgen, die Verspottung, das Leiden, der Tod am Kreuz. Und was tut er nun? Er bleibt uns treu.